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Als die Kieler Feuerwehr weiblich wurde


Die Männerbastion an Schlauch und Spritze ging bereits 1989 in Kiel ihrem Ende

entgegen. In der Freiwilligen Feuerwehr Wellsee verstärkte vor über 34 Jahren eine Frau

die Einsatzabteilung. Seit dem Gründungsjahr 1861 der Freiwilligen Feuerwehr Kiel ist

Ulrike Niemann die erste Feuerwehrfrau in der Landeshauptstadt. Eine Reportage mit der

Kieler Nachrichten über Eintritt, Faltenrock, Pömps und fehlende Hosen fand Anfang

August im Wellseer Feuerwehrhaus statt.


Das Interesse der damals 21-Jährigen zur Feuerwehr weckte ihr damaliger Freund, mit dem sie zukünftig gemeinsam Feuer löschen wollte, er war bereits aktiver Feuerwehrmann bei der Wehr. Für die angehende Erzieherin mit ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein die aus einem Uniformenhaushalt stammt, wurde von der Kleiderkammer der Berufsfeuerwehr erstmalig die Dienstkleidung an die Feuerwehrfrau-Anwärterin ausgegeben. Eine provisorische Ankleidekabine für die erste Frau wurde auf der Hauptwache am Westring eingerichtet. Mit Helm, orangenem Schutzoverall, Handschuhen, Stiefeln und Käppi startete sie ihre Grundausbildung im Stadtfeuerwehrverband Kiel.

Sämtliche Diskussionen um das damalige Problemthema „Frauen in der Kieler Feuerwehr“ wurden schlagartig vom Tisch geräumt. Dafür entstand dass nächste Problem: Was soll die Feuerwehrfrau tragen, was passt zur Dienstuniformjacke? Man einigte sich auf den blauen Faltenrock, weiße Hemdbluse, flache Damenschuhe, ein blaues Damenbarett in Stewardessenform. Nach einer Vorstandssitzung gab der damalige Wehrführer seinen Mannen zu bedenken, nach der Aufnahme der ersten Feuerwehrfrau keine sexistischen Witze zu machen. Den Grundstein für die im Aufbau befindliche Brandschutzfrüherziehung für Kinder in Kitas und Schulen prägte die damals 24-jährige Heilpädagogin maßgeblich mit. Darüber hinaus wirkte sie als ehrenamtliche Dozentin an der Landesfeuerwehrschule für angehende Fachwarte und

Fachwartinnen für Brandschutzerziehung mit.


Die Technik bei der Feuerwehr die sich ständig modernisiert findet sie heute immer noch spannend, genauso steht ihre Berufung für den Dienst am Nächsten wie am ersten Tag. An viele größere Einsätze kann sie sich genau erinnern, damals die Alarmierung per Sirene, heute über den digitalen Funkmeldeempfänger der immer bei ihr ist. Neben dem reinen Einsatzdienst in der Ortswehr Wellsee ist die Löschmeisterin ausgebildet in der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E), sprich im Zuständigkeitsbereich der 499 Mitglieder, davon 61 Frauen, in den zehn Freiwilligen Feuerwehren Kiels.


Für das Kieler Nachrichten-Foto rollte das historische Löschgruppenfahrzeug LF8 aus dem Jahre 1978 vom Arbeitskreis Oldtimer der Feuerwehr Kiel hinzu. Mit diesem „Rundhauber“ rückte die Wellseerin zu vielen Übungen und Einsätzen mit aus.


Rückblick auf über 34 Jahre Dienstzeit für KN Redakteurin Kristiane Backheuer (links) und KN Fotograf Ulf Dahl (mitte) sowie Stadtwehrführer Bernhard Hassenstein (zweiter von rechts) gab Ulrike Niemann


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